Schlafen auf 4554 Metern

Die Capanna Regina Margherita bietet bei klarem Wetter einen spektakulären Ausblick über das Monte-Rosa-Massiv. Foto: IMAGO IMAGES/Dreamstime

So spektakulär liegt Europas höchste Berghütte

Beim Stichwort „höchstgelegene Berghütte Europas“ denken viele wohl zuerst an Frankreich oder die Schweiz. Mit der Schweiz liegen sie zumindest nicht ganz falsch: Die Rekordhütte steht direkt an der schweizerisch-italienischen Grenze, genauer gesagt auf der Signalkuppe, auf Italienisch Punta Gnifetti, in 4554 Metern Höhe. Politisch gehört ihr Standort allerdings zur italienischen Region Piemont.

Dort thront die Capanna Regina Margherita hoch über der Gletscherwelt des Monte-Rosa-Massivs und gilt als höchstgelegene Berghütte Europas.

Europas höchstgelegene Berghütte – Schlafen auf 4554 Metern Höhe

Wer die Capanna Regina Margherita erreicht, kann tatsächlich auf dem Gipfel eines Viertausenders übernachten. Die Hütte steht auf der Punta Gnifetti, der Signalkuppe, auf 4554 Metern Höhe und gilt damit als höchstgelegene Berghütte Europas. Selbst vom Tal aus ist das außergewöhnliche Gebäude auf dem Gipfel zu erkennen.

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Trotz der abgeschiedenen Lage erwartet dich oben eine bewirtschaftete Berghütte mit 70 Schlafplätzen in Zimmern mit Etagenbetten. Dazu kommen ein Restaurant mit Bar, Gemeinschaftsbäder, Strom und sogar kostenloses WLAN. Für die Übernachtung ist ein eigener Hüttenschlafsack beziehungsweise ein Inlett vorgeschrieben. In der Sommersaison musst du deinen Schlafplatz außerdem vorab reservieren. 2026 kostete eine Übernachtung mit Frühstück 130 Euro, für 150 Euro gab es Halbpension inklusive Abendessen, Frühstück und Marschtee.

Wichtig: Außerhalb der Sommersaison bleibt lediglich ein unbewirtschafteter Winterraum mit zehn Schlafplätzen zugänglich, für den keine Reservierung notwendig ist. Decken und Gas zum Kochen sind vorhanden, Geschirr und Besteck dagegen nicht. Neben eigener Verpflegung solltest du auch einen Schlafsack mitbringen.

Wie baut man eine Hütte auf 4554 Metern?

Mindestens genauso spektakulär wie die Lage der Capanna Regina Margherita war der Bau der Berghütte auf dem Gipfel. Die Idee für das außergewöhnliche Bauprojekt wurde bereits 1888 beim Club Alpino Italiano eingebracht, und ein Jahr später begann unter dessen Leitung die Konstruktion.

Die Hütte wurde zunächst unten im Tal vorgefertigt und anschließend in Einzelteilen nach oben geschafft. Einen Teil des Weges übernahmen Maultiere, danach waren Menschen gefragt. Besonders mühsam gestaltete sich der Transport in großer Höhe: Die Arbeiter bildeten eine Art Kette, wobei jeder seine Last lediglich 30 bis 40 Meter weit trug und sie anschließend für den nächsten zurückließ.

Auch auf dem Gipfel warteten besondere Herausforderungen. Vor allem Blitze stellten in dieser Höhe ein Problem dar. Nachdem verschiedene Lösungen diskutiert worden waren, entschied man sich dafür, die Hütte vollständig mit Kupferplatten zu verkleiden.

Die heutige Capanna Regina Margherita ist allerdings nicht mehr das ursprüngliche Gebäude. 1977 begann eine vollständige Erneuerung: Die alte Hütte wurde demontiert und durch einen Neubau ersetzt, der zuvor in Failungo Superiore im Valsesia errichtet worden war.

Über Gletscher zur höchsten Berghütte Europas

Ende des 19. Jahrhunderts mussten noch Baumaterialien unter enormen Anstrengungen auf die Signalkuppe geschafft werden, und auch heute ist der Weg hinauf alles andere als eine einfache Bergwanderung. Da die Route durch hochalpines Gelände und über Gletscher verläuft, setzen die Hüttenbetreiberinnen und betreiber vollständige Hochgebirgsausrüstung und alpinistische Kenntnisse voraus. Empfohlen ist sogar die Begleitung durch eine Bergführerin oder einen Bergführer der UIAGM.

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Eine der regulären Routen auf die Capanna Regina Margherita beginnt an der Berghütte Refugio Giovanni Gnifetti und führt in etwa vier bis fünf Stunden über die Gletscher des Lys zur Capanna Regina Margherita. Dabei bewältigst du fast 1000 Höhenmeter und bewegst dich vollständig auf dem Gletscher.

Auch im Winter ist die Capanna Regina Margherita ein Ziel für erfahrene Alpinistinnen und Alpinisten. Der Schweizer Alpen-Club (SAC) führt unter anderem Skitouren von der Capanna Gnifetti und der Monte-Rosa-Hütte hinauf. Die bewirtschaftete Hütte ist dann zwar geschlossen, doch der oben genannte unbewirtschaftete Winterraum mit zehn Schlafplätzen steht zur Übernachtung und zum einfachen Kochen offen.